Rats Kölsch (4,8 %) seit 1879 aus Köln in Nordrhein-Westfalen:
Das Rats-Kölsch der Dom-Brauerei (Original Metzmacher) tritt heute im Vergleichstest mit den -in Kölner Augen- sicher nicht wirklichen Kölschbrauern aus Wiehl an. Gespannt, wie dieses Kölschduelle endet.
Der Schaum des Rats Kölsch ist etwas feiner, kann aber das Volumen des Konkurrenten nicht ganz erreichen. Dafür ist die Farbe klar dunkler und satter. Der Geruch ist kontrolliert, malzig und recht mild, im Gegensatz zum Zunft, wo doch die eine oder andere Kante ausgemacht wird.
Kommen wir zum Geschmack. Hier hat das Rats Kölsch das etwas dichtere Geschmacksbild aufzubieten. Jedoch muss ich mich wieder mal fragen, der Kölner möge es mir verzeihen, woher dieser Stolz bzw. die Euphorie über diesen obergärigen Biertyp herkommt. Sicher. Die Tradition geht weit zurück, sehr weit sogar. OK. Aber der Geschmack ... Sind wir ehrlich. Selbst ein frisch gezapftes, vom Braumeister persönlich eingefülltes Kölsch haut den Kenner nur selten vom Hocker. So auch hier. Nett süffig ist es. Wie fast alle. Aber das Aroma kann im Vergleich zu anderen, auch ausländischen Gebräuen nur schwer Stand halten. Eine akzeptable Malzigkeit verdrängt fast jede Hopfenwürzigkeit. Hinzu kommt noch ein kurzer trockener Abgang, der weder gemütlich noch süffig wirkt. Puh. Leute. Ich steh ja echt auf Köln. Die Brauhäuser sind eine Institution und Sehenswürdigkeit schlechthin. Die Kölner an sich eine Einmaligkeit. Der Dom das Verblüffendste, was man erleben kann. Aber das Bier?! Hier kann, nein muss man den Kölner jegliche Sonderstellung absprechen. Nett trinkbar. Lecker süffig. Aber aromatisch, geschmacksintensiv oder von Tiefgang geprägt?! Nein. Sorry. Da gibt es Gegenden, die weit aus intensivere Bier brauen. Mein Wort drauf.
"Rats Kölsch ist eine erlesene nach dem Reinheitsgebot von 1516 obergärig gebraute Kölschspezialität, hopfenleicht und erfrischend gut bekömmlich.“
Eine glückliche Fügung führt mich alle zwei Jahre für ein paar Tage (und das auch noch kurz vor dem Karneval) in die Domstadt. Man ist immer wieder verblüfft und angetan von der Mentalität, Lebenseinstellung und Herzlichkeit der Kölner. Aber eines verstehen sie nicht. Den Bierliebhaber von der Güte bzw. der geschmacklichen Wertigkeit ihrer Gebräue zu überzeugen. Man ist im Laufe der Zeit immer wieder auf Kommentare gestoßen, vornehmlich Belgischer Natur, die das deutsche Braugewerbe verschmähen. Je mehr ich mir darüber den Kopf zerbreche, umso mehr habe ich die Befürchtung, die Jungs zapfen ihr Vorurteil aus der Kölner Gegend. Kölsch schmeckt einfach, wenige Ausnahme in Ehre, zu dünn und unsäglich. Vor allem geht mir auch ein Punkt nicht aus dem Kopf. Weshalb brauen die Kölschbrauereien eigentlich nur ein einziges Bier? Kritiker und feindselige Genossen werden sicher anmerken, aus Mangel an Können. Liebhaber und Vertreter dieser Zunft weisen sicher auf die lange und reine Tradition hin. Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, beim nächsten Kölnaufenthalt werde ich die noch fehlenden Brauereien aufstöbern, auffordern und aufnehmen. Mal sehen, was dabei raus kommt.
Fazit: Wer ist eigentlich Metzmacher?
Wertung: + + + (t 02/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen
PS: Vielen Dank an Gunter R., unseren Bierlieferanten Nr. 1, für das Besorgen und Horten dieser rheinischen Spezialität.