Reudnitzer Festbier (5,6 %) seit ?, Leipziger Brauhaus zu Reudnitz GmbH, aus Leipzig in Sachsen:
Das bekannt schmucke Erscheinungsbild. Echt gut gestaltet. Bis auf die olympischen Symbole, die so gar nicht ins Bierbild passen wollen.
Recht frischer, etwas ungestümer, malziger, mit hopfen versetzter und etwas leicht scharfem dekorierter Geruch. Der Schaum ist über jeden Zweifel erhaben. Absolut. Die Farbe ist satt und kräftig. Gelb mit leichten Rotstich. Soweit die äußeren Eindrücke.
Bei diesem Festbier wurde scheinbar Wert auf ein ausgewogenes, harmonisches, fast neutrales Geschmacksbild gelegt. Sehr geschliffen und glatt präsentiert sich das Aroma. Wenig, das hervorhakt, ausbricht, mitnimmt. Schwer zu sagen, was hier im Vordergrund steht. Der Hopfen, wohl eher der Fall, oder das Malz. Die beiden Protagonisten treten beinahe im Gleichschritt auf. Erst nach einer Weile stellt man fest, das der Hopfen wohl am ehesten in Richtung Ausdruck geht. Dabei ist es aber nicht so, dass dieses Bier keine Ausdruck hätte. Vielmehr bewegt dieser nicht, spornt nicht an, gibt keinen Impuls. Geschmack ist da. Keine Frage. Dieser wirkt aber irgendwie seltsam eingeebnet, zurückgeschraubt. So, als hätte man versucht, ihm Fesseln anzulegen, ihn zu zähmen. Hinzu kommt, das der Abgang zu trocken wirkt, keine rechte Freude, kein Leben aufkommen lässt.
Hört sich hierher ziemlich negativ an. Ist es aber letztendlich nicht wirklich. Das Bier hat, abgesehen von seinen karitativen bzw. unterstützend anmutenden Winken, durchaus auch positives zu bieten. Die Süffigkeit ist nicht übel. Das Wasser wirkt rein und recht weich. Die Kohlensäure ist gut eingestellt. Somit kann man durchaus von einem süffigen Bier sprechen. Dazu kommt auch noch der Fakt, das die Zutaten einen reinen Eindruck machen, auch wenn die Umsetzung, das Abmischen nicht perfekt ist. Bis zum Abgang kann man sich sogar richtig anfreunden mit dem Reudnitzer Festbier. Erst dann wird es unruhig und leicht ruppig.
„Gemeinsam für Leipzig: Mit jedem Kasten Reudnitzer Festbier fließen 0,50 Cent in die Leipziger Olympiabewerbung.“ D.h. ich habe bei einer gekauften Flasche 0,025 Cent beigesteuert. Zumindest direkt. Ist doch schon was. Tja. So wird also aus einem Bier eine Olympiahoffnung und wendet sich dem Sport zu. So haftet ihm natürlich ein wenig der Ansatz von Kommerz an. Andererseits steht es ja für eine gute Sache. Wäre schon toll, wenn Leipzig und die Umgebung die Spiele bekäme. Alle Begleitumstände mal außen vor gelassen. Wie auch immer. Das Bier für die Spiele ist sicher keine Medaillenhoffnung. Es steht eher unter dem Slogan: Hauptsache dabei. Zu wenig Ausdauer, zu wenig Klasse für die vorderen Ränge. Das Mittelfeld ist breit. Und genau dort reiht es sich ein.
Fazit: Total. Leipzig.
Wertung: + + + - (t 04/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Im Internet unter: www.reudnitzer.de