Rostocker Bock Hell Premium (6,9 %) seit 1878 aus Rostock in Mecklenburg-Vorpommern:


Mächtige Farbe. Mitteldunkles Bernstein garniert mit leuchtenden Orangetönen. Das schaut man gerne hin, und vor allem durch. Der Schaum ist einem Bock entsprechend nicht übermäßig gut ausgebildet, die Poren mittel, vor allem außen gröber. Der Stand ist durchschnittlich wie auch das Volumen. Die Kohlensäure zieht sachte in gleichmäßigen Bahnen empor. Der Geruch ist süß, kristallin im Karamell, eindeutig malzbetont, schwer, voll, tief, kraftvoll. Und recht klassisch in seiner klaren Malzkomposition. Gerstige Spuren, die deutlich frischer und verspielter wirken, mischen sich gut mit der restlichen Malzstrenge.
Malzaromatischer Antrank mit einer feisten, harschen, kräftigen, schnittigen, unbeugsamen Gerstennote, die für einem Moment leicht scharf, fast angriffslustig, auf jeden Fall sehr bestimmt wirkt. Nichts für Bockbiereinsteiger. Das Rostocker ist sehr herzhaft und voller Würze, die nicht ganz so einfach zu erobern und entdecken ist. Männlich orientierte Aromen, ein wenig Leder, eine Spur Tabak, der Hopfen gut angebittert, stehen im Vordergrund. Die Süße, die im Duft noch dominant auftrat, geht im Aroma deutlich dezenter zu Werke. Die Gerste ist im ersten Drittel spelzig, danach wird der Ton rauer, schärfer. Ein schneidend-markanter Malzton übernimmt das Steuer und lässt sich von dort bis zum Schluss nicht verdrängen. Leider haftet der Schärfe für einen Augenblick etwas Trocken-Metallisches an. Das wirkt unnahbar und ungemütlich und drückt die Süffigkeit nach unten. Glücklicherweise hält sich dieser Eindruck nur einem Moment, der Abtrunk ist dann fast komplett frei davon. Ansonsten ist diesem Bock ein weiches Wässerchen eigen, die Kohlensäure ist hervorragend abgestimmt. Das Aroma ist kraftvoll aber nicht überdreht, einem Bock gemäß starkbiertypisch. Der Geschmack entfaltet sich gut, ist fokussiert auf das Malz, vielleicht etwas konservativ, dafür aber sehr bodenständig und solide aufgebaut. Der Körper ist gleichmäßig strukturiert und kompakt. „Kräftig malzaromatisch“ steht auf dem Label geschrieben. Das ist so einfach ausgedrückt wie treffend.
„Das helle Premium-Starkbier aus der Hanseatischen Brauerei Rostock: malzaromatisch und kräftig. Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot – der hanseatischen und maritimen Tradition seit 1878 verpflichtet. Goldener Preis 2008 – DLG-prämiert.“

Also auch formell ein gutes Bier. - - Wie auch in der Praxis. Schade nur, dass der Geschmack mit dem Metallischen ein leichtes Störaroma aufweist und somit nicht voll überzeugen kann. Frisch vom Fass sicher eine Klasse besser. Die Flaschenprobe ist aber nicht ganz frei und makellos. Die Schärfe verbirgt eine leicht gerstige Säuerlichkeit nicht ganz. Das schwungvolle Malz ist aber aller Ehren wert, und es ist schade, dass der Geschmack getrübt wird. Die Völle des Aromas entfaltet sich dadurch nicht, wie es könnte.

Fazit: Hanseatisch maritim
Wertung: + + + + [t 04/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen
Im Internet unter: www.rostocker.de