Schumacher Latzenbier (5,5 %) seit 1838 aus Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen:


Was für ein Schaum.
Das ist grandios.
Cremiger, sahniger, feinporiger … das geht kaum noch. Das Volumen ist trotz behutsamen Einschanks fabelhaft. Der Stand ist überdurchschnittlich gut. Und die Konsistenz … sagenhaft dicht, fest, fein, großartig. Die Farbe des Bieres ist glasklar und überraschend hell, geht sie doch ins Bernsteinfarbene. - - - Der Geruch … was ist das denn für ein Note? - - - Holunder. Frisch gepflückte Heidelbeeren. Brombeeren. Dazu etwas Holziges. Eine Spur Lakritz. Alles unheimlich intensiv und frisch wie voll. Leicht pudrig. Sehr tief. Faszinierend natürlich und greifbar. Der Duft alleine rechtfertigt dieses Bier.
Wie Intensiv.
Was für ein Aroma.
Streng der Antrank. Streng im Sinne von intensiv, kraftvoll, ultrapräsent. Der Geschmack trägt viel Holunder in sich. Hat einen Schuss Lakritz, wie schon der Duft. Das Malz hat einen stark harzigen Einschlag. Oder ist es der Hopfen? Das Fruchtige ist auffällig. Holunder. Heidelbeeren. Schwarze Johannesbeeren. Brombeeren. Ganz frisch. Eben gepflückt. Wahnsinn. Weit hinten noch ein sehr seidiger und spannungsgeladener harziger Lauf, der auch leichte Holzigkeit aufweist. Der Abgang dann plötzlich wieder so klar fruchtig, dass einem erst mal die ganze Sache wieder suspekt vorkommt. Zumal auch ein Schuss Kirsche vorkommt. Das ist wirklich ein außergewöhnliches Bier, das mit zahllosen Facetten und Wendungen den Trinker immer wieder überrascht, sehr anspruchsvoll wirkt, abwechslungsreich aber nie ungeordnet sondern kompakt und natürlich enorm komplex. Das Fruchtige ist phänomenal. Der Hopfen gibt sich dezent, hat aber dennoch viel Spielraum. Es finden sich noch nussige Impressionen. Aber das verblasst alles gegenüber diesem unglaublich schwarzbeerenfruchtigen Grundcharakter. Das ist wirklich selten. Und in dieser Ausprägung sicher ziemlich einmalig.
Die Frische und die Intensität, die dieses Bier ausstrahlt, sind kaum zu glauben. Man hat den Eindruck, etwas eben Geerntetes zu trinken. Das Malz und der Hopfen springen den Trinker geradezu an. Nicht aufdringlich. Nein. Vielmehr sehr behutsam und überzeugend in seinem Auftreten.
Das Harzige ist enorm klar, bernsteinern, fest, umrissen, einschließend.
Das Aroma reicht weit, geht in die Tiefe, hat eine Frische und Spannung, die ganz selten erreicht werden. Dieses gewisse Etwas strahlt dieses Gebräu von der ersten Sekunde an aus.
Sicher ist das nicht ganz einfach zu trinken. Der Anspruch ist sehr hoch. Und trotz der prinzipiell rasend hohen Süffigkeit muss man den Geschmack erst einmal annehmen und verarbeiten. Der ist so intensiv, kraftvoll und selbstbewusst, dass mancher sich durchaus ein blasseres, faderes, schnelleres vorstellen könnte. Aber das ist sicher nur ein kurzer Augenblick des Zögerns. Triumphieren kann nur dieses einmalige Aroma.
Das im Duft schon zu findende Pudrige erfreut auch im Geschmack durch eine sanfte Brauseartigkeit, ganz fein und dezent wie angenehm bizzelnd. Hier orientiert sich die Fruchtigkeit auf ganz sanften Pfoten in Richtung Himbeere.
Verblüffend, diese Fruchtschattierungen.
Das Wasser ist vorzüglich weich. Die Kohlensäure ein samtiges, sanftes Gedicht. Die Süffigkeit … wie schon gesagt … richtig hoch. Die Vollmundigkeit ist letztendlich gar nicht so überwältigend. Das Bier bewahrt sich eine elegante und schlanke Leichtigkeit. An der Intensität des Geschmacks freilich rüttelt das nicht. Das Aroma hat eine Strahlkraft, die fast schon erschreckend hoch ist.
Die Eigenständigkeit und Individualität dieses Bieres bewegt sich auf höchstem Niveau. Das ist nicht kopierbar und so unverfälscht und eigen, dass es eigentlich dem Fass sprichwörtlich den Boden raushaut.
Die Qualität des Aromas hält sich vom ersten Augenblick des Antranks bis in den letzten Winkel des Abgangs auf höchstem Niveau und bietet zu jedem Zeitpunkt Spannung.
Der Hopfen weit hinten im Finish herrlich feinbitter und hochwertig.
Der Aufforderungscharakter ist mehr als hoch und die Attraktivität des Geschmack außergewöhnlich ausgeprägt. Jeder Schluck ist eine Achterbahnfahrt durch das verwinkelte, kompakte und faszinierende Aroma.
Das hat so viel Spielfreude, Dynamik und Frische … verrückt.
Einzig ein leicht chloriger Eindruck, der sich vor allem im Antrank zeigt, sich aber auch abschwächend bis ins Finish zieht, trübt den Geschmack einen Hauch.
Die Hausbrauerei Schumacher in der berühmten Düsseldorfer Altstadt ist bekannt für ihr gutes Bier. Dennoch hätte ich solch ein Brett ganz ehrlich nicht erwartet. Das ist ein dermaßen gutes Gebräu … man staunt nur.
Anspruchsvoll. Süffig. Verschachtelt. Kompakt. Flüssig. Natürlich. Ausdrucksstark. Bissfest. Bodenständig. Bürgerlich und exotisch zugleich. Geeignet für die Adligentafel genauso wie für den Tisch der Bourgeoisie.
Ein Bier für alle.
Ergreifend. Anmutig. Charakterstark. Edel. Faszinierend. Und dieses Fruchtige, dieses Frische …
Was macht es Spaß, diesen Trank, der eine gewisse Mystik ausstrahlt, etwas Geheimnisvolles in sich trägt, zu trinken. Jeder Schluck ist eine leise, sanfte Offenbarung.
Fruchtig.
Harzig.
Unheimlich gut und einprägsam.
Größte Braukunst.
Wie es sich streckt und biegt. So geschmeidig und kraftvoll, gespannt, hellwach, verspielt und doch glasklar und ernsthaft. Wow. Selten solch eine klare 6 vor mir gehabt. Was macht es eine Freude, dieses Bier zu trinken. Jeder Schluck ein kleines Hosianna. Und am Ende öffnet sich die Bierpforte.

Fazit: Flüssiges Harz auf schwarzer Frucht
Wertung: + + + + + + [t 03/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Im Internet unter: www.schumacher-alt.de
PS: Vielen Dank an EPO für die Besorgung dieses außergewöhnlichen Bieres.

Zitat von Hans Müller-Schlösse veröffentlicht auf dre Website von Schumacher:

"Schumacher LATZEN: Dieses etwas stärkere(5,5 Vol % Alkohol), das heißt mit mehr Malz eingebraute, Bier gibt es nur jeweils am 3. Donnerstag im März, September und November. Es rührt von einem alten Brauch her. Als früher die Technik und das Wissen rund um den Brauprozess noch nicht so ausgereift waren, legten die Braumeister ein besonders gelungenes Bier "op de Latt". Es wurde für gute Freunde beiseite gelegt und feierlich getrunken. Diese Tradition wird an besagten Tagen fortgesetzt: bei Jazzmusik und guter Laune wird das Latzenbier an Freunde des Schumacherbieres im Brauhof ausgeschenkt."Zum Schlusse sei noch dankbar des Latzenbieres im Sonnenaufgang an der Citadellstraße gedacht. Latzenbier hieß es damals, weil der Wirt Schumacher ein für sich gebrautes, vortreffliches Bier hinter Schloß und Riegel auf Latten zum Lagern legte."