Schussenrieder Weisse Hell (5,1 %) seit 1668 aus Bad Schussenried
Baden-Württemberg:
Hier fehlt leider das komplette Rückenetikett samt Information.
Somit entgehen uns auch einige wichtige Dinge. So wissen wir z.B. nicht,
wie stark dieses Hefe ist oder seit wann es gebraut wird.
PARADESCHAUM. Sagenhafte Haube. Perfekte Poren, fein und cremig. Straff
und unnachgiebig im Stand. Großes Volumen. Tolles Bild. Die Farbe
ist überraschend und für ein Weizen ungewöhnlich hell.
Der Geruch ruhig, ausgeruht, voll, tief, zurückgelehnt, sanft,
angenehm, süßmalzig.
Gerstiger, korniger, malziger Antrank in reiner, frischer, jugendlicher
Form. Jede Ähre scheint sich zu Wort zu melden, es zumindest zu
wollen, und findet Gehör. Ich sich ruhend und trotzdem vehement
und nachhaltig zeigt dieses Weizen, was in einem Hefe stecken kann,
ohne das platte und kurzlebige Argumente feilgeboten werden. Hier herrscht
Ruhe. Tiefe. Ausgewogenheit. Kerniges Ambiente. Das Aroma hat ein aufgeräumtes
aber dennoch aktives Bild und stellt klassische Elemente wie Gerste
und Weizen durch plastisches und natürliches Auftreten klar in
den Vordergrund. Hier gibt’s keine schrägen Spielchen sondern
ein klares und nachvollziehbares Spektrum gibt mit jedem Schluck Anstoß,
die Aktion zu wiederholen. Kernig-bürgerlich, bodenständig-würzig,
zurückhaltend-agil. Hier weiß jeder, was der andere macht
- - und was er kann. Tolles Team. Großartige Mannschaftsleistung.
Hohes Niveau zu jeder Zeit. Ohne dass man dabei das Gefühl hat,
die Sache versucht aufdringlich zu werden oder zu posen. Das Malz und
die Hefe könnten bodenständiger und naturnaher kaum sein.
Bissfest-mehlig erfüllen sie mit jedem Schluck herzhaft den Mundraum
und Rachen. Das Wasser erfüllt alle Kriterien einer weichen und
wohligen Grundlage. Die Kohlensäure hat genug Esprit, um nicht
ins Normale abzugleiten, versteht es dennoch, die Füße nicht
einschlafen zu lassen. Die Vollmundigkeit ist hoch, sehr hoch, und legt
mit jedem Schluck, erneut, viel in die Wagschale. Eigentlich ist nichts
wirklich Besonderes an diesem Weizen. Es sei denn, es glückt, hinter
die Kulissen zu blicken und mit etwas Zeit und Muße zu entdecken,
dass hinter der Fassade eine ganze Palette großen Genusses schlummert.
Vielleicht nicht leicht zu entdecken, merkt man aber spätestens
ab dem Zeitpunkt, ab dem die Hektik des Tages und die die Unruhe der
Zeit abfallen, dass man es hier mit etwas Großem, Gutem, Natürlichem
zu tun hat. Erfreulich normal und solide. Kein Bier, bei dem man sich
schräge Aromen aus der Adjektivrippe schneiden muss, sondern ein
Gebräu, dass einfach nur nach Wasser, Gerste, Malz und Hopfen Malz
schmeckt. So selbstverständlich und standhaft, wie nur irgendwas.
Fazit: Selbstverständlich
Wertung: + + + + + - [t
10/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Weizen- und Gerstenmalz, Hopfen,
Hefe
PS: Vielen Dank an Stefan K. auf Schöneck in Hessen,
der uns eine ganze Reihe Südbayerischer Weizenbiere organisiert
hat.
PPS: Das Etikett ist doch noch aufgetaucht: „Seit
Generationen brauen wir unser Bier mit Wissen, Erfahrung und Handwerkskunst
– verbunden mit Lebensfreude und Humor. Schussenrieder Erlebnisbrauerei
mit Deutschlands 1. Bierkrugmuseum.“
Im Internet unter:
www.schussenrieder.de