Spreewälder Privatbrauerei 1788 Pilsner (5,0%) aus Schlepzig

So, hier also das nächste von der Spreewälder Privatbrauerei. Neulich hatte ich mich mit deren Doppelbock auseinander gesetzt, welcher äusserst lecker war. Dementsprechend hoffnungsvoll bin ich jetzt auch auf das Pils. Muss allerdings auch zugeben dass ich ausgeprägter Pils-Liebhaber bin. Schon beim Einschenken sieht auch das Pils der Spreewälder erstklassig aus. Trübe, gold-gelbliche Farbe schimmert unter feinem Schaum. Wie beim Doppelbock macht sich auch beim Pils das weiche Wasser des Spreewaldes sofort bemerkbar. Wirklich mild und zart ungarnt es die Geschmackszellen an den Seitenflanken des Bierjüngers. Geschmacklich hat das Pils eine fruchtige Note, leider muss ich sagen dass dies irgendwie irritierend wirkt. Prinzipiell steh ich Biervariationen ja offen gegenüber, aber diese fruchtige Note auf dem Pils passt irgendwie nicht so recht zum Rest des Bieres dazu. Überhaupt kommt meiner Meinung nach der pilsige Charakter des Biers etwas zu kurz. Vom Hopfen ist fast keine Spur zu erschmecken. Es könnte fast auch als ein normales Helles durchgehen, das mag durchaus auch an der trüben Farbe liegen, aber wirklich pilsig ist das Spreewälder Pils nicht. Es ist einfach zu mild für ein Pils, nicht charakterlos und definitiv kein Allerwelts-bier, aber eben auch kein vollwertiges Pilsbier. Der Hopfen ist einfach zu schwach ausgeprägt, versteckt sich hinter dem weichen Brauwasser und seinem malzigen Nebenbuhler. Dazu kommt dieser eigenartig fruchtige Beigeschmack. Obwohl kein schlechtes Bier, bin ich leicht enttäuscht. Liebe Spreewälder, ihr könnt das besser. Ich hab selbst schon Euren Doppelbock verkostet und massiv genossen. Ich weiss Ihr könnt’s. Gebt Eurem Pils noch ne Chance, dass geht besser.

Fazit: Geht besser
Wertung: + + + (pm 01/07)


Spreewälder Pilsener (5,0 %) seit 1788 aus Schlepzig in Brandenburg:

Das ist ja mal eine edle Flasche. Simpel wie genial. Absoluter Hingucker. Durchsichtiges, weißes Glas, und rein mit dem Bier. Schon ist der Eyecatcher fertig. Ruht innerhalb der Flasche wie Whiskey. Dazu noch der Bügelverschluss … herrlich. - - Sehr frischer, natürlicher, impulsiver, hausbrauereitypischer, malzig-hopfiger Geruch. Da wird viel geboten. Die Nase samt Rechenzentrum braucht eine Weile, bis alle Eindrücke verarbeitet sind. Vor allem die Gerste scheint viel Individualität und Ausdruck zu entwickeln. Der Hopfen hält sich vornehm zurück, flößt aber genug Respekt ein. Der Schaum ist ein Gedicht. Weich wie Watte. Gleichzeitig hart und unnachgiebig. Steht wie eine Eiche. Feine Poren. Vortrefflich. Die Farbe ist sehr dunkel, für ein Pils eher untypisch, dafür aber sehr fesselnd, verspielt bis mystisch – facettenreich.
Oha. Kein Bier von der Stange. Schon der erste Schluck macht klar: hier hat man es mit etwas sehr Individuellem zu tun. Ein harziger, holziger Ton breitet sich mit dem ersten (und jedem weiteren) Schluck gleichmäßig im Mundraum aus. Vollmundig. Knarzig. Unangepasst. Der Antrank gewährt dem Malz viel Spielraum. Dieser wird genutzt durch eine warme, weiche und anspruchsvolle Gerstennote. Der Hopfen wallt später auf und zeigt sich vor allem durch eine holzige, feinbittere, wechselhafte und feste Herbe. Es mischt sich die leichte und warme Süße des Malzes mit der holzigen Hopfigkeit. Dabei entstehen interessante Spektren, Facetten und Spannungsbögen. Das lässt sich an. Die Süffigkeit ist hoch, trotz des nicht gerade runden Aromas. Hier ist eher wilde Wollust am Werk als milde Langeweile. Das Wasser ist enorm weich. Die Kohlensäure ein sanftes Labsal. Jeder Schluck ist in Hin und Her zwischen behaglicher Grundlage und anregendem, abwechslungsreichem Aroma. Man merkt, dass dieses Bier in einer kleinen Hausbrauerei und von Hand hergestellt wurde. Nicht glatt gebügelt. Nicht keimfrei. Nicht perfekt und einheitlich. Nein. Es ist ein bisschen störrisch, stolz, unternehmungslustig, neugierig. Jeder Schluck fordert heraus und kommuniziert mit dem Trinker. Herrlich, dieser Wechsel aus weichmalzigen und herzhafthopfigen Aromen. Das macht Spaß, zumal das Malz auch einen entfernten waldhonigartigen Hauch ausströmt. Kann gut sein, dass Pilsbieranfänger hier etwas überfordert sind. Möglich, denn der Geschmack ist nicht einfach, es braucht eine Weile, bis man die höhere Ordnung der Aromen erkennt. Straff organisiert. Beste, frische Zutaten von hoher Qualität, die ihren Raum belassen bekommen haben. Sie können sich entfalten, ihre Eigenheiten ausleben, wild sein und bleiben. Gefällt mir. Sicher gibt es glattere, sanftere, mildere, bekömmlichere, rundere, ausgewogenere usw. Aber wenige, die sympathischer und bodenständiger, urwüchsiger und wertvoller erscheinen. Holzig-herb. Kantig-knarzig. Jeder Schluck hat enorm viel zu sagen.

Folgende Details wurden uns von der Brauerei noch übermittelt:

Stammwürze 12,5%, alk 5.0%, Restzucker 3,4g/l,
Malz: Pilsener, Cara Hell
Hopfen: Tettnang (Aroma) und Hollertau (Bitter)
Hefe: Untergärig, Reinzucht, 1mal gegangen
Lagerung 6 Wochen (kontinuierlicher Hefeabzug)
Schonende Filtration mit Schichtenfilter (250er Platten) dann Kerze.
Handabfüllung mit restauriertem Rundfüller, Etikettierer, Verkorker (1935)

Fazit: Keine Gurke
Wertung: + + + + + - [t 12/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
Im Internet: www.spreewaldbrauerei.de
PS: Vielen Dank an Dr. T. Römer für die tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung dieses Tests.