Spreewälder Spreelator Doppelbock (7,4 %) seit 1788 aus
Schlepzig in Brandenburg:
Handabfüllung, handgebraut, edelhefetrüb. Wenn man im Vorfeld
diese drei Worte ließt, dann hat man auf jeden Fall schon mal
ein extrem gutes Gefühl, und das noch vor dem Öffnen des Bügelverschlusses.
Uhps. Was ist denn das? Wie schießt und schäumt dieses Bier
ins Glas hinein? Ist das Hyperaktivität? Oder einfach nur der Charakter
dieses Bieres? Wenn ja, dann muss man beim Einschank höllisch aufpassen
und den Winkel möglichst flach ansetzen, um das Glas nicht zum
Überschäumen zu bringen. Also. Ab jetzt: sachte. - - Herrlich
dunkelbraunes Hellschwarz erfüllt leicht rubinrot glimmend mittig
das Glas. Der Schaum, fast hellbraun, thront selbstbewusst, straff und
in Haltung über dem Nass. Intensiver Geruch. Anregend scharf. Malzig.
Spritzig.
Malz in Reinkultur. Elegant. Aufrecht. Klar und rein. Leicht süß,
verfeinert mit angerösteten Tönen. Markant. Straff. Wohlgeformt.
Für einen Bock mehr als schlank. Vor allem ungewöhnlich spritzig
und frisch, verspielt, unkonventionell, eigen, aufgeräumt, unverfälscht,
geradeaus. Tolles Wasser. Schaumiger, süffiger, wohliger Charakter.
Wahnwitzig hoher Süffigkeitsfaktor. Samtige, ruhige, zurückgelehnte
Kohlensäure. Erdig-trockener Ausdruck. Keine Sperenzchen. Klare
Gliederung. Ruhige Linien. Etwas schiebt den Fluss an, danach läuft
die Sache einfach wie von selbst. Bürgerlich. Verständlich.
Bodenständig. Ausgeruht. Anregend. Und dennoch jederzeit kommunizierend
wie erholsam. Die Sinne pendeln zwischen Verdunklung und Erhellung.
Beides ist gleichermaßen drin. Samtige, sanft lähmende Ruhe
und spritzige, frische, aufregende Aromatik. - - Bitterschokolade. Viel
Mokka. Getrocknete, schwarz-rote Beerenfrüchte. Erdiges. Kräftiges.
Malzaromatisches. Etwas Rauch und Gedörrtes. Frisches Feuer samt
Kohle und Glut. Beachtliche Spannweite, großes Potential. Und
der Bock, der eigentliche Träger dieses Gebräus, ist letztendlich
meilenweit entfernt. Weder Zeigefinger noch Stock kommen hier zum Einsatz.
Iwo. Hier kann jeder selbst entscheiden, was und wie viel gut ist. Kein
aufgezwungener Respekt. Kein erbotener Gehorsam. Nein. Freier, luftiger,
kurvenreicher Geschmack lädt zum entdecken ein. Gefährlich
wie ungezähmt. Gleichzeitig aber väterlich und bemüht.
Tolles Bier. Facettenreich ohne Ende. Aromatisch ein Highlight in seiner
schweren Ausgewogenheit und kaleidoskopischen Bodenständigkeit.
Alleine dieses für ein Bockbier dramatisch wie ungewöhnliche
Sprudelige zähmt die Euphorie ein bisschen. So wild kann kein Bock
ins Glas dreschen. Da ist vielleicht in dieser kleinen Hausbrauerei
oder während des Transports etwas schief gelaufen. Ansonsten ein
grandios gutes Bier. Kompliment. Riesenkompliment. Das ist Bier aus
der guten Stube und handgemacht. Die Stärke der Süße.
Das Rückgrat der röstigen Trockenheit, der Stand der eleganten
Herbe. Die Süffigkeit und Schwere. Das passt alles enorm gut zusammen.
Unheimlich mild. Bedenklich süffig. Gnadenlos lecker.
Fazit: Handgemacht Bockbierbraukunst
Wertung: + + + + + - [t
12/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Zutaten: Wasser, Hopfen, Malz
Im Internet unter:
www.spreewaldbrauerei.de
PS: Vielen Dank an Dr. T. Römer für die tatkräftige
Unterstützung bei der Realisierung dieses Tests.