Spreewälder Privatbrauerei 1788 Doppelbock „Spreelator“ (7,4% !!!) aus Schlepzig

„Handabfüllung, handgebraut, edelhefetrüb“, steht auf dem Etikett! Na das hört sich doch schon mal gut an. Überhaupt hat das Etikett was. Da steht so ein stolzer, schon leicht arrogant anmutender, Storch auf einem Bein, mit Bier in der Hand, Zylinder und Schlips, als Gondolier mit Stock und Packsack auf seiner Gondel als könnte ihm niemand was anhaben. Mal schauen ob dem Doppelbock auch niemand was anhaben kann. Beim Aufmachen des Ploppverschlusses mal auf jeden Fall nicht. Mannomann, das hat ja einen Schlag getan, ich glaub mein Mitbewohner drüben im anderem Zimmer ist ausm Bett gefallen. Ich merks schon, der Bock will raus aus der Flasche! In den Halse noi! Und zwar in den Meinigen! Mächtig Schaum entwickelt er ja schonmal. Interessanten Schaum: unten recht feinporig, aber je weiter hoch man schaut, desto grobporiger wird er. Die Farbe des Bieres ist trüb und kastaninenbraun. Recht typisch für einen Bock, aber hierbei handelt es sich ja schliesslich um einen Doppelbock. Muss sagen, nach dem ersten Schluck ist der Doppelbock nicht sooo massiv wie ich ihn eigentlich erwartet hätte. Viel Kohlensäure ist drin, dass fällt so als erstes auf. Ja und auch bei weiteren Schlücken tritt der Spreelator nicht so massig auf, wie ich das bei einem 7,4%er befürchtet hätte. Gut ich will nicht sagen, dass ich es hier mit einem Leichtgewicht zu tun habe, aber geschmacklich ist der Spreelator durchaus mild, ausgewogen, süffig, dennoch vollmundig und überzeugend im Abgang. Also ich bin durchaus positiv überrascht, ich denke nicht dass ich schon jemals ein solch sanftes Böckchen genießen durfte. Auch das Malz hält sich geschmacklich zurück. Nicht so dass es untergeht, aber es drängt sich auch nicht in den Vordergrund. Es fügt sich erstklassig in den Gesamteindruck ein. Wie überhaupt alles bei diesem Bier. Auch das Brauwasser im Spreewalde scheint von allerhöchster Güte zu sein. Unglaublich zart und sanft bildet es ein ausgezeichnetes Fundament für dieses doppelte Böckchen. Und je mehr ich von diesem Böckchen trinke, desto mehr wächst es mir ans Herzen. Diese Sanftheit eines doppelten Bocks lässt mich gar nicht mehr los. Ich bin nun wirklich kein Bockbier-Trinker, aber der Spreelator! Da geht schon was. Wenn ich’s nicht mittlerweile merken würde, würde ich doch glatt die angegebenen 7,4 Umdrehungen anzweifeln. Aber jetzt da ich fast fertig bin, kann ich doch durchaus bestätigen dass es sich beim Spreelator nicht um ein light-Bier handelt. Der hat schon was in sich! Der Storch vom Etikett sieht nicht nur so aus, dem macht auch in der Tat keiner was vor!!!

Fazit: Dem Spreelator macht keiner was vor
Wertung: + + + + + (pm 01/07)

Spreewälder Spreelator Doppelbock (7,4 %) seit 1788 aus Schlepzig in Brandenburg:

Handabfüllung, handgebraut, edelhefetrüb. Wenn man im Vorfeld diese drei Worte ließt, dann hat man auf jeden Fall schon mal ein extrem gutes Gefühl, und das noch vor dem Öffnen des Bügelverschlusses. Uhps. Was ist denn das? Wie schießt und schäumt dieses Bier ins Glas hinein? Ist das Hyperaktivität? Oder einfach nur der Charakter dieses Bieres? Wenn ja, dann muss man beim Einschank höllisch aufpassen und den Winkel möglichst flach ansetzen, um das Glas nicht zum Überschäumen zu bringen. Also. Ab jetzt: sachte. - - Herrlich dunkelbraunes Hellschwarz erfüllt leicht rubinrot glimmend mittig das Glas. Der Schaum, fast hellbraun, thront selbstbewusst, straff und in Haltung über dem Nass. Intensiver Geruch. Anregend scharf. Malzig. Spritzig.
Malz in Reinkultur. Elegant. Aufrecht. Klar und rein. Leicht süß, verfeinert mit angerösteten Tönen. Markant. Straff. Wohlgeformt. Für einen Bock mehr als schlank. Vor allem ungewöhnlich spritzig und frisch, verspielt, unkonventionell, eigen, aufgeräumt, unverfälscht, geradeaus. Tolles Wasser. Schaumiger, süffiger, wohliger Charakter. Wahnwitzig hoher Süffigkeitsfaktor. Samtige, ruhige, zurückgelehnte Kohlensäure. Erdig-trockener Ausdruck. Keine Sperenzchen. Klare Gliederung. Ruhige Linien. Etwas schiebt den Fluss an, danach läuft die Sache einfach wie von selbst. Bürgerlich. Verständlich. Bodenständig. Ausgeruht. Anregend. Und dennoch jederzeit kommunizierend wie erholsam. Die Sinne pendeln zwischen Verdunklung und Erhellung. Beides ist gleichermaßen drin. Samtige, sanft lähmende Ruhe und spritzige, frische, aufregende Aromatik. - - Bitterschokolade. Viel Mokka. Getrocknete, schwarz-rote Beerenfrüchte. Erdiges. Kräftiges. Malzaromatisches. Etwas Rauch und Gedörrtes. Frisches Feuer samt Kohle und Glut. Beachtliche Spannweite, großes Potential. Und der Bock, der eigentliche Träger dieses Gebräus, ist letztendlich meilenweit entfernt. Weder Zeigefinger noch Stock kommen hier zum Einsatz. Iwo. Hier kann jeder selbst entscheiden, was und wie viel gut ist. Kein aufgezwungener Respekt. Kein erbotener Gehorsam. Nein. Freier, luftiger, kurvenreicher Geschmack lädt zum entdecken ein. Gefährlich wie ungezähmt. Gleichzeitig aber väterlich und bemüht. Tolles Bier. Facettenreich ohne Ende. Aromatisch ein Highlight in seiner schweren Ausgewogenheit und kaleidoskopischen Bodenständigkeit. Alleine dieses für ein Bockbier dramatisch wie ungewöhnliche Sprudelige zähmt die Euphorie ein bisschen. So wild kann kein Bock ins Glas dreschen. Da ist vielleicht in dieser kleinen Hausbrauerei oder während des Transports etwas schief gelaufen. Ansonsten ein grandios gutes Bier. Kompliment. Riesenkompliment. Das ist Bier aus der guten Stube und handgemacht. Die Stärke der Süße. Das Rückgrat der röstigen Trockenheit, der Stand der eleganten Herbe. Die Süffigkeit und Schwere. Das passt alles enorm gut zusammen. Unheimlich mild. Bedenklich süffig. Gnadenlos lecker.

Fazit: Handgemacht Bockbierbraukunst
Wertung: + + + + + - [t 12/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Hopfen, Malz
Im Internet unter: www.spreewaldbrauerei.de
PS: Vielen Dank an Dr. T. Römer für die tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung dieses Tests.