St. Pauli Girl (4,9%) seit 1965 aus Bremen:
Das St. Pauli Girl ist ein recht beliebtes deutsches Bier hier in Texas. Laut Etikett kommt es aus der St. Pauli Brauerei in Bremen! St. Pauli in Bremen???????? Was soll denn das??? Was hat denn St. Pauli in Bremen verloren?? Da wurde scheinbar was verwechselt. Ich hab das Bier in Deutschland noch nie gesehen, scheinbar ist es rein für den Export gebraut. Das Etikett ist auf jeden Fall typisch amerikanisch kitschig. Eine bayerische Bedienung in Dirndl serviert in Maßkrügen das norddeutsche St. Pauli-Bier. Das geht doch mal gar nicht. Das ist ja wohl Vergewaltigung alter bayerisch-preußischer "Feindschaften". So stellen sich die Amis eben Deutschland vor. Vollbusige Bedienungen bringen Maßkrüge voller Bier. Eigentlich gar nicht so schlecht wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt. Nichtsdestotrotz ein Stilbruch. Der nächste Minuspunkt für die Ami-Version hanseatischer Bierbraukunst, all das noch bevor ich es überhaupt aufgemacht habe. Naja, das kann ja was werden. Auf den ersten Schluck schmeckt es wie ein typisches norddeutsches Pils, nicht ganz so vollmundig, aber dennoch auf jeden Fall ein klar deutscher Charakter. Herb, etwas rau, aber unverkennbar pilsig im Abgang. Nichts von dem kitschig amerikanischen äußeren Auftreten hat sich ins innere der Flasche getraut. Gut so! Es ist ein ordentliches Bier. Reich an Kohlensäure, gut zum Rülpsen! Der pilsige Charakter norddeutscher Biere bestimmt auch weiter den Geschmack. Nicht zu wässerig, wie viele Ami-Biere, nicht zu aufdringlich, herb und angenehm ausgewogen, wie so zahlreich andere Biere aus dem Preußenlande. Dies setzt sich auch im Abgang durch. Allerdings sind hier die ersten Differenzen zu einem „reinen“ deutschen Bräu zu erkennen. Einen Hauch pelzigen Gefühls macht sich am Gaumen breit, aber nur ein Hauch, nicht genug um den gelungenen Eindruck zu stören, aber genug um Abstriche in der Bewertung zu machen. Das St. Pauli erinnert stark an Beck’s. Es reicht nicht ganz an die hohe Qualität der Bremer Massenbrauerei heran, aber es erinnert sehr stark daran. Es macht mich stutzig ob es nicht die Ami-Version von Becks mit einem anderen Etikett ist. Das sind allerdings reine Vermutungen! Tatsache ist, dass es ein gutes Bier ist! Auch der letzte Schluck schmeckt noch frisch und voll. Ja, eigentlich kann man sagen, das Bier wird immer besser, je mehr man davon trinkt. Ich denke ich genau dass werde ich jetzt auch tun. Mir noch so ein Ding verpassen. Es lohnt sich!
Fazit: Trink viel, es lohnt sich!
Wertung: + + + + - (pm 10/04)
PS: Wie wir mittlerweile wissen, rührt der Name her von einem ehemaligen Kloster in Bremen, das eben St. Pauli hieß. Von 1857 bis 1918 gab es eine St. Pauli-Brauerei, die dann von der Kaiserbrauerei Beck & Co., der heutigen bekannten Beck's-Braustätte, übernommen wurde.
Vielen Dank an Dr. Ian Watson für die nette Aufforderung zur Korrektur.