Stralsunder Frühlingsbock (6,5 %) 0,5er Flasche, seit 1827 aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern:

Welch edler Bernsteinschimmer verziert mit einem Hauch Bronze. Der Schaum hat einen beigen Anstrich und verhält sich für einen Bock recht ordentlich. Vor allem die feinen Poren wissen zu gefallen. Das Volumen ist sicher nicht gigantisch, der Stand hingegen überzeugt. Der Geruch ist sehr mild, dezent, ausgewogen, mild und bekömmlich. Ein Hauch frischer Pfirsich ist vorhanden, eine sehr sanfte Malzspur, kristallienes Malz. Der Hopfen reiht sich ins milde Glied vortrefflich ein. Der fruchtige Grundton hat etwas noch nicht ganz reifes, dafür wohliges. Sehr gelungen. Man möchte schnuppern.
Deutlich mehr Gewicht im Geschmack. Das Malz hat erheblich mehr Kraft und Ausdruck. Somit ist es zwar zum einen vorbei mit der herrlichen Milde, zum anderen geht nun die Post ab. Das ist eindeutig Bock. Sehr malzbetont. Im Gerstenbereich standhaft und angriffslustig. Ein ziehender, sehr kraftvoller, tiefgründiger, gleichmäßig schwingender Malzton erfreut. Die Vollmundigkeit ist enorm hoch, was Wunder, aber auch das Bekömmliche, hat man den ersten Schreck im Verhältnis zum ultramilden Duft überwunden, kann sich für diese Gewichtsklasse absolut messen lassen. Auch der natürliche, gesunde Eindruck der Zutaten macht Freude. Der Hopfen hat einen herben Grundriss, baut darauf eine leicht holzige Ergänzung. Dazwischen lauert noch ein erfrischender, fruchtiger Hauch Apfel, der reif und süß auftischt. Der unumschiffbare zuckrige Hintergrund fügt sich edel ins Bild. Beeindruckend die treffliche Schlichtheit dieses Bocks. Keine schrägen, nervigen Avancen, keine übertriebenen, überspitzten Experimente oder kaum nachzuvollziehende Wege. Prägnant. Eindeutig. Scharf umrissen. Unverfälscht. Geradeaus. Das ist nachvollziehbarer, unverbogener Bockbiergenuss, an den man sich sofort gewöhnt. Malzgeprägt mit fruchtigen Hopfennoten. Kraftvoll, dabei nicht zu schwer, eher prickelnd und frisch. Der Geschmack angereichert um eine schwach nussige Note. Mehr nicht. Und das reicht auch. Mehr braucht’s nicht für ein gutes Bier. Außer natürlich dem bekannt weichen Wasser, das eine wirklich samtige Basis bildet.
„Schon in früheren Zeiten war die Stralsunder Brauerei für ihr ausgezeichnetes Bockbier bekannt. Das für Bockbier besonders geeignete Brauwasser aus der eigenen Mineralquelle, eigens geröstete Braumalze aus der Region sowie das spezielle Brauverfahren bürgen für den besonders weichen aromatischen Geschmack und die einzigartige Frische. Der bernsteinfarbene Stralsunder Frühlingsbock ist sehr vollmundig mit einer leicht fruchtigen Note. Bockbier – sehr vollmundig, weich.“
So sollte ein Bock schmecken: vollmundig und weich, durchaus leichtfüßig, keinesfalls aufdringlich, machohaft oder überdreht. Das alles greift hier. Ein sehr gut abgestimmtes, mildes und tiefgreifendes Bier. Es strahlt in seiner fruchtigen Malzigkeit Ruhe und Tiefe aus. Ein kraftvoller Trank mit nachvollziehbaren Strukturen, das einfach nur gut und ausgewogen schmeckt. Vom ersten bis zum letzten Schluck. Garantiert gibt es raffiniertere Gebräue, die mit Übertriebenheit und Aufgesetztem versuchen zu punkten. Nicht hier. Gerade diese Eindeutigkeit, das Unkomplizierte und Zurückgelehnte sind die Trümpfe dieses fabelhaften Bocks. Feingliedrig und fruchtmalzig. Ruhig. Jeder Schluck fordert auf zu Neuem, bedrückt oder lastet nicht, macht frei, forsch und munter. - - Das sollte man sich in der Hafenkneipe „Zur Fähre“ direkt am Hafen gönnen, nah der alten Stadtmauer, die sich rühmt, gegründet 1332, eine der ältesten Europas zu sein. Danach wird der Gang durch die UNESCO-geadelte Altstadt, optimalerweise nachts, wenn die trüben Lichter die speckigen Steine nur unzureichend anleuchten und von der See her salzige Winde in die Gassen einwehen, noch mystischer.

Fazit: Mystikbeschleuniger
Wertung: + + + + + [t 05/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter: www.stralsunder.de