Stralsunder Pils (4,9 %) seit 1827 aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern:
Die alte Hansestadt Stralsund macht echt was her. Ein nahezu vollständig
erhaltenes geschlossenes historisches Stadtbild imponiert, fesselt,
fasziniert. Vor lauter edlen Backsteinbauten, Stadtmauern, wuchtigen
Kirchen und gemütlichen Gassen weiß man gar nicht, wo man
zuerst hin laufen soll. Vielleicht zum Hafen. Dort gibt es gemütliche
Kneipen, die Stralsunder Bier ausschenken.
Das Pils fließt geschmeidig ins Glas. Der Schaum ist wuchtig wie
die Marienkirche, seidig weiß, feinporig, gleichmäßig
strukturiert … was erzähle ich: perfekt! Das Gelb ist kräftig
und klar. Die Kohlensäure wirbelt in kecken Bahnen empor. Der Duft
hat einen ordentlichen, warmen Gerstenanteil. Der Hopfen wirkt reif,
ruhig, ausgewogen. Eine nussige, in Ansätzen trockene Note charakterisiert
ihn.
Zuallererst fällt die Milde, die Weichheit, das Seidige auf. Wasser
und Kohlensäure bieten ein daunenweiches Bett. Die Zutaten sind
sehr harmonisch und glatt, bewahren sich aber Ausdruck und Charakter.
Der Hopfen ist sehr dezent und bekömmlich ausgelegt. Nervöse
oder überbetonte Hopfigkeit findet man hier nicht. Vielmehr ein
Pils, das durchaus malzige Komponenten aufweist. Puristen könnten
wohl die Nase rümpfen, ich sage: diese Weichheit, dieses Süffige,
das Milde, die Harmonie … das hat was. Sehr süffiges Bier.
Jeder Schluck liegt seidig und sanft am Gaumen. Vom Antrank bis ins
Finish zieht sich das Aromabild gleichmäßig und ruhig durch
mit genügen Potenz, um auch in Sachen Vollmundigkeit zu überzeugen.
Der Abgang ist regelrecht zart und frei von jeglicher Störung.
Hier flammt für einen Augenblick der deutlichste Hinweis aufs Pils
auf: ein grün-grasiger Hauch, der leider etwas zu rasch flieht.
Das Stralsunder ist ein ungemein harmonisches und ungleich süffigeres
Pils. Jeder Schluck rennt. Das Gefühl ist wohlig, gut, entspannt.
„Trinkt Stralsunder Bier“ steht auf der Flasche.
Das ist unnötig. Denn einer Aufforderung bedarf es hier in keinem
Falle.
Interessant noch folgender Fakt:
„5 x DLG-Gold 2006 –
die meisten Goldmedaillen in Deutschland.“ Sicher beeindruckend.
Am Rande sein noch erwähnt, das ganz weit hinten im Finish ein
Stück reifer Karamell hauch sich mit ins Spiel bringt. Ein sehr
gutes, unauffälliges Pils; nur im ersten Moment, denn die Entspannung
und Ausgeglichenheit, diese Unangestrengtheit, das Sanfte und Wohlige,
dieser Schwall Weichheit, das ist mehr als gelungen. Herrlich.
Fazit: Trinkt Stralsunder Bier
Wertung: + + + + + - [t
03/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Aromahopfen
PS: Das einzige wirklich (mögliche) Manko ist die Tatsache, dass
dieses Pils dem ursprünglichen Standard je nach Meinung unter Umständen
etwas hinterher hinken könnte. Wirklich herb oder hopfig ist es
nicht. Das Malz genießt viel Freiraum, nutzt diesen jedoch sehr
geschickt.
Im Internet unter:
www.stralsunder.de
|
www.alte-brauerei.com
PS: Eine große Einschränkung muss man doch machen. Und zwar
gibt es einen dicken Unterschied zwischen der 0,5er Flasche und der
0,33 Einheit. Die Kleine Buddel trägt eine deutlich nervösere,
bizzeligere und hakeligere Flüssigkeit in sich. Das schmeckte wesentlich
härter und wäre nur mit einer 4 zu bewerten. Auf diesen Unterschied
achten!