Störtebeker Roggen-Weizen, Stralsunder Brauerei GmbH, Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern, alc 5,3 % vol., 0,5l Mehrwegflasche


Noch ein "Bier der Gerechten". Roggen-Weizen - das ist mir jetzt aber so zum ersten Mal untergekommen. Kupfer- bis Messingbraun steht ein Bier vor mir, das sich dazu mit einer cremefarbenen Schaummütze schmückt. Der Geruch ist mehr Weizen denn Roggen, oder liegt es daran, dass man den Weizenbiergeruch besser identifizieren kann? Es ist untergäriges Bier - riecht wie ein obergäriges Weißbier. Und es ist Hefe-Trüb wie ein Hefe-Weizen. Der Antrank bringt auch viel Weizen und einige herbe Geschmacksanteile, das kann dann nur der Roggen sein. Interessant ist dieses Bier schon, obwohl doch recht ungewohnt. Ein Bio- Bier ist es obendrein.
Die fruchtige Hefe-Malz-Geschmacksmischung ist genauso angenehm wie die milde Braukohlensäure. Ein leicht süßer Eindruck bleibt zum Schluß hängen und eine Bitternote stellt sich als Nachgeschmack ein. Schon recht gewagt, diese Komposition. Der Vergleich mit einem Dunklen Hefeweizen hinkt, drängt sich mir aber jetzt auf...

Reinheitsgebot: Ja
Fazit: recht gewagt
Bewertung: + + + + + [d 09/10]

Störtebeker Roggen-Weizen (5,3 %) 0,5er Flasche, seit 1827 aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern:

Wundervolle Farbe. Bevor die Haupthefe einfließt, steht ein Haselnussbraunmahagoni im Glas, dass einem das Herz aufgeht. Der Schaum hat eine leicht beige Färbung und liegt obenauf wie eine Erfüllung. Der Geruch ist ungewöhnlich, überraschend, extrem!? Eine Bananenlikörimpression sorgt erst mal für Erstauen. Hinzu kommt ein lakritzähnlicher, dumpfer Eindruck, der dunkel und schwer wirkt. Ein sehr weiziger Hauch streift die Nase bald. Im Hintergrund steht etwas Korniges, das wohl der Roggen ist. Ungewohnt. Auch etwas schroff bis drohend. Dem Malz entströmt eine etwas harte (entfernt auch „billige“) Karamellbonbonnote. Alles sehr umfangreich, abwechslungsreich, aber auch etwas ungeordnet. Nun ja. Lassen wir es wirken und öffnen wir nun neben dem Herzen auch den Rachen.
Der Antrank wirkt sofort etwas geordneter. Röstmalzige Töne breiten sich aus. Der Bananeneindruck umfängt. Das Likörartige lässt sich nicht abschütteln, passt nicht perfekt ins Bild. Der Roggen führt das Geschmacksregiment. Nicht leicht zu beschreiben. Kornig. Trocken. Fast ein bisschen staubig (auch mehlig, wegen der Hefe). Massig. Sehr getreidig. Etwas irritierend dieser Eindruck aus Lakritznoten. Der Hopfen hat eine eher trockene Ausrichtung. OK. Ein auf jeden Fall anspruchsvolles Bier. Ungemein vollmundig. Beinahe drücken. Demnach sehr reich. Das Aroma wirkt im ersten Moment sehr ungewohnt. Mit der Zeit gewinnt man zwar näheren Zugang. Dennoch ist es mir hier etwas schwer, wirklich ins Innerste vorzudringen. Vor allem dieser schwer erklärbare Karamellbonbontouch, der an Jahrmarkt erinnert, aber auch an billige Bonbons aus dem Discounter. Das harmoniert nicht. Passt nicht so recht ins Bild. Dabei wirkt alles andere sehr natürlich, naturnah, griffig. Insgesamt macht sich nebenbei auch eine in Ansätzen spürbare Härte bemerkbar, die nicht vom Wasser stammt, das ist angenehm, auch nicht der Kohlensäure entspringt, die agiert routiniert, vielmehr ist hier eine Dissonanz im Zutatenbereich auszumachen, deren exakte Eingrenzung Mühe bereitet. Zu vielfältig ist der Geschmack. Zu viele Aromen machen sich hier breit, vervielfältigen sich, finden am Ende aber zu selten zueinander, um den Begriff Harmonie im Positiven Kontext zu rechtfertigen. Ein schweres Bier.
„Störtebeker 1402 Roggen-Weizen. Natürlich vollmundig. Das Bier der Gerechten. Störtebeker zahlt einen gerechten Preis für die natürlichen Rohstoffe unserer Bauern. Mit deiner Entscheidung gibt’s du ihnen Unabhängigkeit und sicherst ihre heimische Arbeitsplätze. Dein Beitrag für ein Stück mehr Gerechtigkeit. Gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot unter Verwendung biologischer Rohstoffe von der Stralsunder Brauerei GmbH.“
Hinzufügen sollte man noch, dass der Begriff „BIO“ einige Male auf den Etiketten erscheint. So weit, so gut. Der Geschmack aber fesselt mich nicht. Ein sicher sehr interessantes Weizen. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass hier der Weisheit letzter Schluss noch nicht erreicht ist. Es klaffen Lücken. Und es gibt Verbesserungspotential. Zur sperrig und zu mastig, völlend. Die Zutaten pochen auf ihren Platz und verteidigen diesen zu vehement. Die Sache kommt nie wirklich in Fahrt. Das Aroma ist zwar immens und umfangreich. Aber der Funke springt nicht über. Eine drei für den Mut.

Fazit: Das Bier der Gerechten
Wertung: + + + [t 07/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Weizenmalz*, Gerstenmalz*, Roggenmalz*, Hopfen*, Hefe (*aus kontrolliertem Anbau)
Im Internet unter: www.stoertebeker.com