Störtebeker Roggen-Weizen (5,3 %) 0,5er Flasche, seit 1827
aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern:
Wundervolle Farbe. Bevor die Haupthefe einfließt, steht ein Haselnussbraunmahagoni
im Glas, dass einem das Herz aufgeht. Der Schaum hat eine leicht beige
Färbung und liegt obenauf wie eine Erfüllung. Der Geruch ist
ungewöhnlich, überraschend, extrem!? Eine Bananenlikörimpression
sorgt erst mal für Erstauen. Hinzu kommt ein lakritzähnlicher,
dumpfer Eindruck, der dunkel und schwer wirkt. Ein sehr weiziger Hauch
streift die Nase bald. Im Hintergrund steht etwas Korniges, das wohl
der Roggen ist. Ungewohnt. Auch etwas schroff bis drohend. Dem Malz
entströmt eine etwas harte (entfernt auch „billige“)
Karamellbonbonnote. Alles sehr umfangreich, abwechslungsreich, aber
auch etwas ungeordnet. Nun ja. Lassen wir es wirken und öffnen
wir nun neben dem Herzen auch den Rachen.
Der Antrank wirkt sofort etwas geordneter. Röstmalzige Töne
breiten sich aus. Der Bananeneindruck umfängt. Das Likörartige
lässt sich nicht abschütteln, passt nicht perfekt ins Bild.
Der Roggen führt das Geschmacksregiment. Nicht leicht zu beschreiben.
Kornig. Trocken. Fast ein bisschen staubig (auch mehlig, wegen der Hefe).
Massig. Sehr getreidig. Etwas irritierend dieser Eindruck aus Lakritznoten.
Der Hopfen hat eine eher trockene Ausrichtung. OK. Ein auf jeden Fall
anspruchsvolles Bier. Ungemein vollmundig. Beinahe drücken. Demnach
sehr reich. Das Aroma wirkt im ersten Moment sehr ungewohnt. Mit der
Zeit gewinnt man zwar näheren Zugang. Dennoch ist es mir hier etwas
schwer, wirklich ins Innerste vorzudringen. Vor allem dieser schwer
erklärbare Karamellbonbontouch, der an Jahrmarkt erinnert, aber
auch an billige Bonbons aus dem Discounter. Das harmoniert nicht. Passt
nicht so recht ins Bild. Dabei wirkt alles andere sehr natürlich,
naturnah, griffig. Insgesamt macht sich nebenbei auch eine in Ansätzen
spürbare Härte bemerkbar, die nicht vom Wasser stammt, das
ist angenehm, auch nicht der Kohlensäure entspringt, die agiert
routiniert, vielmehr ist hier eine Dissonanz im Zutatenbereich auszumachen,
deren exakte Eingrenzung Mühe bereitet. Zu vielfältig ist
der Geschmack. Zu viele Aromen machen sich hier breit, vervielfältigen
sich, finden am Ende aber zu selten zueinander, um den Begriff Harmonie
im Positiven Kontext zu rechtfertigen. Ein schweres Bier.
„Störtebeker 1402 Roggen-Weizen. Natürlich vollmundig.
Das Bier der Gerechten. Störtebeker zahlt einen gerechten Preis
für die natürlichen Rohstoffe unserer Bauern. Mit deiner Entscheidung
gibt’s du ihnen Unabhängigkeit und sicherst ihre heimische
Arbeitsplätze. Dein Beitrag für ein Stück mehr Gerechtigkeit.
Gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot unter Verwendung biologischer
Rohstoffe von der Stralsunder Brauerei GmbH.“
Hinzufügen sollte man noch, dass der Begriff „BIO“
einige Male auf den Etiketten erscheint. So weit, so gut. Der Geschmack
aber fesselt mich nicht. Ein sicher sehr interessantes Weizen. Gleichzeitig
muss man aber sagen, dass hier der Weisheit letzter Schluss noch nicht
erreicht ist. Es klaffen Lücken. Und es gibt Verbesserungspotential.
Zur sperrig und zu mastig, völlend. Die Zutaten pochen auf ihren
Platz und verteidigen diesen zu vehement. Die Sache kommt nie wirklich
in Fahrt. Das Aroma ist zwar immens und umfangreich. Aber der Funke
springt nicht über. Eine drei für den Mut.
Fazit: Das Bier der Gerechten
Wertung: + + + [t 07/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Weizenmalz*, Gerstenmalz*,
Roggenmalz*, Hopfen*, Hefe (*aus kontrolliertem Anbau)
Im Internet unter:
www.stoertebeker.com