Stülpner-Bräu Starkbier, Privatbrauerei Olbernhau, Seit 1896, Olbernhau/Erzgebirge, Sachsen, D, Alc.: 6,5%vol, 0,5l Mehrwegflasche

Stülpner-Karl, der Robin Hood des Erzgebirges. Was Störtebeker auf der See getan hat, hat hier der Legende
nach der Stülpner-Karl im Wald getan. "Wildschütz, Rebell und Volksheld des Erzgebirges" ... "Mit Genehmigung seines Ur-Urenkels braut die Olbernhauer Brauerei ihre helle Starkbierspezialität unter seinem Namen". Der Stülpner - das ist heute ein Bier, ein helles und starkes. Bezug zur Vergangenheit? Stärke auf jeden Fall. Und Mut, unter diesem Namen ausgerechnet ein Bier zu brauen. Beim Störtebeker wusste man, dass er starkes Bier gern getrunken hat. Aber dafür hat Stülpner hier in der Sächsischen Erzgebirgswelt wirklich gelebt und sein Grabgibt es wirklich in Scharfenstein im Erzgebirge.
Das Bier ist helle. Ein helles starkes. Mittelprächtiger weißer Schaum und eine recht angenehme agile Kohlensäure machen ein nicht ganz unangenehmes Bild. Der Geruch ist eher süßlich denn stark. Da muß ich trinken. Oho, da wird ein leicht bitter-malziger Geschmack frei, der so bei sächsischen Starkbieren nicht alltäglich ist. Herb und fruchtig-voll, kein schlechter Anfang. Das gibt ein neues Vertrauen in sächsische Braukunst und vermittelt das Erlebnis eines Waldbieres nach alter Hausbrauerei-Art. Kernig kräftig wie ein alter Baum, ein wenig holzig, aber auch ein wenig kantig. Eine junge Krone hat dieser alte Baum, saftige geschmackvolle grüne Triebe.
Stülpner ist wahrscheinlich doch gar nicht 1841 gestorben. Ein Teil seiner Kraft lebt hier weiter. Die Kraft des Urwüchsigen, die Kraft des Rebellen. Dieses Bier stellt das Bekannte an den Rand. Es hat noch etwas von der Ur-Kraft des Waldbieres, wenn es auch nicht glatt und süffig ist, es ist geschmacklich gut, kräftig und verbreitet schon damit Zufriedenheit. Nicht Harmonie, aber Zufriedenheit. Ein guter Schluck nach einer guten Tat sollte es schon sein. Das Wasser ist ein gutes weiches, die Kohlensäure ist agil und trägt auch mit zu dem rebellischen Charakter bei, den dieses schöne Bier vermitteln will. Wenn ein Brauer seine Kunst so anwendet, ein Gemälde eines Rebellen zu malen, dann - Alle Achtung!

Fazit: Rebellisch, Stark, Anders!
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen
Bewertung: + + + + + (D 01/07)

Stülpner-Bräu Starkbier (6,5 %) seit 1896 aus Olbernhau in Sachsen:


Für ein Starkbier ein ordentlicher Schaum. Außen recht grobporig. Dafür innen fein. Der Geruch ist kernig-malzig, hat holzige Elemente, auch der Hopfen kommt durch; insgesamt erinnert er an ein Bockbier, verhält sich aber zurückhaltend. Die Farbe ist Mittelgelb, nicht sonderlich dunkel.
Was diesem Bier fehlt ist Harmonie, Milde und Ausgewogenheit. Das Aroma hat seine Ecken und Kanten. Hinzu kommt eine unangenehme metallisch-trockene Note. Das Bier ist leider recht hart ausgelegt. Die Kohlensäure ist da gar nicht mal der Hauptschuldige, es ist vielmehr der Geschmack an sich, der nicht reibungslos durch Mund und Rachen rauscht. Etwas ungelenk und steif. Das Malz versucht sich zu entfalten, wird aber alsbald geblockt, wirkt nur, wenn das Bier wärmer wird, und dann recht süß, etwas klebrig. Ansonsten zu streng. Zu metallisch. Komisch. An was das immer nur liegt? Kommt ja immer wieder mal vor, obwohl beim Bockbier am seltensten, und es ist auffallend, das es meist der Schaum ist, der diesen Eindruck am stärksten verbreitet. So auch hier. Verflüchtigt er sich, wird es angenehmer. Steht er stramm, so wird es hart. Dadurch geht natürlich vieles verloren, der ganze Geschmack bleibt auf der Strecke. Aber - - selbst wenn man den Schaum zusammen schrumpfen lässt und somit für mehr Aromaentfaltung bzw. weniger Einfluss sorgt, kann dieses Starkbier nicht richtig überzeugen. Wasser, Malz und Hopfen erreichen dann allenfalls gutes Niveau und lassen Raum für Verbesserungen. Vor allem das Malz wirkt nicht potent genug. Und der Hopfen gibt dem Ganzen einen zu borstigen Anklang. Die Süffigkeit, die Harmonie, der Fluss – nicht die Stärke dieses Tranks.
„Olbernhauer Stülpner-Bräu – Karl Stülpner (1762-1841) – Wildschütz, Rebell und Volksheld des Erzgebirges. In seiner bewegten Lebensgeschichte verschmelzen Wirklichkeit und Legende. Mit Genehmigung seines Ur-Urenkels braut die Olbernhauer Brauerei ihre helle Starkbierspezialität unter seinem Namen.“
Verschmelzen. Das ist gut. Verschmelzen ist ein passendes Verb, wenn es um Bier geht, denn verschmelzen die Zutaten, dann hat das zwangsläufig eine einheitliche und harmonische Wirkung. Schade. Man hat das Gefühl, hier wäre mehr herauszuholen gewesen. Und vom Fass, frisch, bin ich sicher, schmeckt dieses Bier auch anders. Vor allem das Metallische wäre dann sicher ausgeschlossen.

Fazit: Traditionsbier aus dem Erzgebirge
Wertung: + + + [t 08/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Malz, Hopfen
PS: Vielen Dank an Gunther R. für die Beschaffung dieses Starkbieres.