Unternbiberter Vollbier Bernstein (4,0 %), Privatbrauerei Reuter, ehem. Dietz, seit 1717 aus Unternbibert in Bayern:
Was soll man zu solch einem Bier, zu solch einer Brauerei sagen? Sesshaft in einem völlig verschlafenen, winzigen Nest irgendwo in Mittelfranken. Die Zugangsstrassen sind schmal, haben allesamt keinen Mittelstreifen oder eine Fahrbahnmarkierung. Kommt man in den Ort, so begegnen einem ein paar alte Leute, ein paar Traktoren wummern vor sich hin, ansonsten herrscht Stille, Ruhe. Die Brauerei zu finden ist kein Problem. Es gibt letztendlich nur eine Strasse (Hauptstr. 17). Der Bau ist ein fachwerkgestütztes Haus, das sehr alt aussieht. Der Hof ist nicht gepflastert, im Sommer staubig. Dort angekommen, empfängt einen der Braumeister persönlich, ruhig, zurückhaltend, freundlich. „Eine einzige Sorte braue er.“ antwortete er mir auf meine Frage. So kaufte ich im die Flasche für 80 Cent inkl. Pfand ab, wartete lange auf mein Wechselgeld, das erst in der Stube geholt werden musste, atmete den Duft der Brauerei ein, hörte die Maschinen summen, warf einen Blick hinein in die glorreichen Räume. Man kann es eigentlich gar nicht richtig wiedergeben. Ein Ort der Stille, der Ruhe, des Friedens und des Bieres.
Gut. Das Bier. Ich kann nur jeden bitten, der irgendwann einmal in die ungefähre Nähe von Unternbibert kommt, einen Abstecher zu machen und der Brauerei Reuter einen Besuch abzustatten. Dieses Vollbier ist eine Wonne. Das Bernstein ist vollendet und schickt einem einen Glanz entgegen, der fast blendet. Der Geruch hat etwas leicht geröstet-rauchiges und viel Malz. Der Schaum ist vielleicht nicht perfekt, aber was macht das schon? Spätestens beim Antrank verliert sich dieser kleine Makel im Nichts. Den ab diesem Zeitpunkt fühlt man nur noch ein Glücksgefühl und schmilzt regelrecht dahin. Was für ein Bier. Leicht, kräftig, süffig, perfekt. Dermaßen eigen und ausdrucksstark, dass man nur staunen kann. So etwas mildes, sanftes, samitges und dazu noch kernig und urig im Geschmack. Selten erlebt. Man empfindet Dank und Ehrfurcht. Auch wenn sich das übertrieben anhört und die Erschaffer so etwas sicher weit von sich schieben würden. Es ist so. Dieses ist ein Bier, dass den Braugedanken, die Uridee des Bierbrauens, völlig und absolut perfekt trifft. Keine Übertreibung. Keine Effekte. Nichts Künstliches. Bier pur. Und das in reinster Form. Man! Was für ein Klassebier!
Ich kann hier nur Thomas einen Ultradank für diesen Tipp aussprechen. Hat mich zwar einen gehörigen Umweg gekostet, aber der hat sich mehr als gelohnt. Das ist einer der Glücksfälle, auf den man nur sehr sehr selten stößt. Mensch. Hätte ich mir nur einen ganzen Kasten mitgenommen. Die zweite Halbe neigt sich erbarmungslos dem Ende zu. Phantastisches Bier. Leicht und schlank. Süffig im Quadrat. Samtig weich. Kernig malzig, leicht rauchig, geröstete Spuren, verhaltener Hopfen aber viel Geschmack. Ich wette, dieses Bier würde auch den eingefleischtesten Kommerzbier-Fan komplett vom Hocker hauen und bekehren. Ein Bier, das den höchsten Weihen gerecht wird. Ein Bier, das einen neuen Verehrer gefunden hat. Sollte ich jemals wieder in diese Kante kommen, ich nehme mir mindestens zwei Kästen mit. Grandios. Formidabel. Galaktisch. WAS FÜR EIN BIER. Das Bier erinnert an einen vollendeten Kreis. So in sich geschlossen, harmonisch und kompakt. Keine Wiederstände, Haken, Kanten. Alles fließt. Weich und behutsam. Danke für dieses Bier.
Fazit: Was für ein Bier
Wertung: + + + + + + (t 05/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot: Ja
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen