Winkler Alt-Amberger Urhell (4,8 %) seit 1617 aus Amberg in Bayern:

Die alte Stadt Amberg ist bekannt für ihre gut erhaltene Bausubstanz, die mächtigen und altehrwürdigen Stadttore und deren Mauern, die alten Kirchen, das harmonische Stadtensemble. Und die Brauereien. Mit dem Winkler haben wir hier ein Helles, das in Konkurrenz zu all den anderen aus dem Dunstkreis Ambergs steht. Übrigens. Bamberg (unglaubliche Brauereidichte) und Amber (unheimlich hohe Brauereidichte). Ob das ein Zufall ist …?
Recht milder und sanfter Malzgeruch mit etwas spelziger und strohiger aber sanftmütiger Gerste. Im hinteren Drittel macht sich aber eine leicht oxidierte und trockene Note breit, die nicht übermäßig charmant ist. Dazu noch eine schwach modrige Nuance. Der Schaum ist gut, fein, potent. Das kräftige Gelb ist klar.
Wäre die Kohlensäure nicht so aktiv, der Geschmack käme viel klarer und umrissener zur Geltung. Dennoch erkennt man ein großes Malzpotenzial, das frisch, natürlich, engagiert und spritzig auftritt. Gerstig und leicht heuartig und strohig hat es auch eine feine Süße, die eine leichte Honigartigkeit mit einschließt. Der Hopfen hält sich sortentypisch eher zurück, gibt dem Aroma aber eine leichte Herbe, die willkommen ist. Dominant aber das Malz. Süß. Aufgewühlt. Spelzig. Lastend. Nicht elegant und schlank sondern eher schwer. Negativ wirken sich aus die schon im Geruch auffallende Oxidiertheit und die Kohlensäure, die des guten etwas zuviel bietet. Etwas dezenter und homogener und der Charakter wäre milder, harmonischer, bekömmlicher. Dennoch entwickelt sich hier ein gutes Potenzial und der Geschmack erfreut durch eine anregende Frische wie Natürlichkeit. Das Wasser ist weich, da gibt es nichts zu mäkeln, die Kohlensäure, ach ja, das hatten wir ja schon. Der Geschmackskörper ist in seiner Kompaktheit nicht unumstritten, hat aber klare Eckpfeiler und wirkt nie zerfranst. Ein Bier mit Bodenständigkeit und markant-dörpflichem Charakter, das in seiner gemütlichen Süffigkeit einladend wirkt. Sicher gibt es Biere mit stärkerer Exotik, ausgeprägteren Alleinstellungsmerkmalen und raffinierteren Geschmackskompositionen. Dennoch macht dieses Helle aus Amberg Spaß beim Trinken. Vor allem das Malz verheimlicht seine gute Kinderstube nicht. Malzpointe. Gerstenfavorisiert. Gut im Schluck und markant-würzig am Gaumen. Süß-fruchtige Impressionen hinterlassen Spuren. Wirklich tief geht der Geschmack dann aber doch nicht. Drum auch nur eine gute 4,5. Gelungen vor allem diese dezent-herzhaftige und unbekümmerte Malzsüffigkeit.

Fazit: Gute Kinderstube
Wertung: + + + + -* [t 05/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt